Starten wir mit einem Restaurant, das – wie so vieles in Bern – nicht ganz so offensichtlich von aussen als das zu erkennen ist, was es wirklich ist. Das Ganze hört sich etwas an wie der Anfang einer witzigen, kleinen Geschichte: Zwei Deutsche führen in Bern ein französisches Bistrot. Eh ja, okey??

Klammheimlich versteckt sich diese kulinarische Perle unten am Fusse des Bundeshauses. „Man muss uns suchen um uns zu finden“ hat die Wirtin es genannt. Definitiv ist es auch kein „Laufkundschaftsresti“. Am einfachsten findet man es wohl, in dem man mit dem „Marzillibähndli“ vom Bundeshaus nach unten fährt, dann in Richtung Marzilli läuft, an der ersten Kreuzung links abbiegt und an der nächsten wieder rechts geht. Nach ca. 30m findet man auf der linken Strassenseite diesen Anblick von aussen:

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Ok, noch nicht überzeugt? Dann zeige ich euch nun, wie es von innen aussieht…

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Jetzt schon am Lächeln? Diesen Effekt hatte es auf mich, wie auf viele andere die das erste Mal rein kommen. Dieses schnuckelige Bistrot sieht aus als wäre es direkt aus dem Paris aus längst vergangener Zeit nach Bern gebeamt worden. Ich stehe ja total auf die alten Werbeplakate aus dieser Zeit. Sie verleihen dem kleinen Bistrot nicht nur Charme und ein Hauch von historischem, französischen Flair, sondern sind auch ein wenig Sinnbild für die Küche, in deren Genuss man hier kommt.

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Ich habe bei meinen Gesprächen mit verschiedenen Restaurantbesitzern gemerkt, dass hinter den coolsten Locations auch immer ganz spezielle Menschen stecken. So auch im Bistrot Marzer.
Geführt wird es vom Geschwisterpaar Carsten und Diana.
Carsten ist hier der Koch. Kennt ihr diese coolen, jungen TV Köche, welche die alte Schule der Kochkunst erlernt haben, diese aber dann auf nahezu künstlerische Weise neu interpretieren, ohne den Geist des ursprünglichen, total aufwendigen Rezeptes zu zerstören? Carsten wäre der perfekte TV Koch. Sidecut Haarschnitt mit sehr langem Deckhaar, irgendwie zu jung für die Rezepte, die er kocht, bei denen er aber ein Glitzern in den Augen bekommt, sobald er davon erzählt. Und ich rede hier von echt ursprünglicher, französischer Küche, mit tagelangem Einlegen, von Entenconfit, selbst angesetzter Fisch-Bouillabaisse, irgendwelchen Terrinen und tausend anderen Dingen, bei denen mich Carsten schon abgehängt hatte, als er davon erzählte.

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Dann ist da noch Diana :). Diese wunderbar sympathische Person, bei der man spürt, sie hat den Laden im Griff. Das etwas anrüchige Lachen halt auch dann durch den Raum, wenn alle Tische besetzt sind und es langsam etwas stressiger wird. Man hat das leicht ungewohnte Gefühl, in einem hoch dekorierten Restaurant zu sitzen und doch irgendwie total gemütlich in der Wohnstube seines Lieblingsrestaurants zu sein. Mit anderen Worten: Diana versteht ihr Handwerk und ist die perfekte Gastgeberin, Beraterin, Sommelière und Herzdame des Hauses. La Grande Dame in jung! Keine Spur von überkandideltem Getue, das man eigentlich bei der Qualität des Essens erwartet…Wir haben uns pudelwohl gefühlt und ich will euch jetzt nicht länger auf die Folter spannen und euch erzählen, was es denn nun zu essen gab! UNSER TIPP: Bestellt ein Menü À La Surprise bei Diana 🙂 Sie wählt euch bestimmt das Beste von der kleinen Karte aus und dazu auch zu jedem Gang den passenden Wein.

Vorspeise

Ganz ehrlich? Ich mag eigentlich nicht sonderlich gerne Fischsuppen… aber die hier bestelle ich beim nächsten Mal auf jeden Fall nochmals. Das ist übrigens das Lieblingsgericht von Diana:) Kleiner Tipp von mir: Die Miesmuscheln kann man als Zange nutzen, um die anderen aus der Schale zu pulen.

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Hauptspeisen

Yeah! – endlich einmal ein Restaurant, das das eigentlich ganz einfach zu zubereitende Rotkraut (wirklich!!) nicht einfach aus der Dose nimmt oder total verkocht! Alles frisch das Ganze hier. Für das Fleisch braucht man eigentlich gar keine Zähne, so butterzart wie es ist. Das Ragout ist in zwei tolle Gewürze eingelegt worden (mal sehen ob ihr es rausschmeckt wenn ihrs probiert;) )

Coq au vin (das Lieblingsgericht von Carsten) – hört sich nicht nur französisch an, sondern ist auch total à la française und schmeckt trés bon! Hier konkurriert Carsten mit dem Rezept meiner Mamma…Mami? Wir müssen mal hier zusammen essen gehen und du musst die Sauce probieren: Eine Reduktion aus Balsamico und Honig… hach… Der Koch kann es beim Coq au vin mit dir aufnehmen: DAS IST DAS GRÖSSTE KOMPLIMENT, DAS ICH EINEM KOCH JE MACHEN WERDE!

5Ok, mittlerweilen kugeln wir uns schon fast unter den Tisch und mein rotes Gesicht kommt nicht vom Wein, sondern von .. ehhhm … der Hitze der Kerze neben uns (danke Diana für die tolle Ausrede). Aber das Dessert.. hach.. wisst ihr, was „la petite mort“ bedeutet? Dem kommt dieses Genusserlebnis echt nahe.

6Preislich liegt es in einer ganz und gar anständigen Preislage ohne zu übertreiben. Von mir kriegen sie eine Beautyqueen Krone, pour le bonheur du goût. Bisou, vôtre reine de beauté

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Kontakt 

Bistrot Marzer
Brückenstrasse 12
3005 Bern

031 311 29 29