Stadtführungen gibt es in London genauso viele wie es Pubs gibt. Einige sind jedoch spannender als andere…die klassisch geführten historischen Rundgänge entlocken doch leider allzu oft einen Schwall unkontrollierbarer Gähnattacken. Oft macht man eh nur mit, weil man dann auch was für die eigene Weiterbildung tut. Auch die ganzen hop-on hop-off Busse sind eigentlich nichts anderes als die motorisierte Version vom „es gehört halt dazu“ Pflichtprogramm von jedem Städtetrip. Die sind auch absolut in Ordnung und bieten oft gute Hintergrundinfos in relativ kurzer Zeit.
Wir mögen es aber gerne auch etwas aussergewöhnlicher. Ok, die Harry Potter Führung haben wir nun doch nicht gemacht – auch wenn die sicher auch ganz witzig gewesen wäre – aber dafür haben wir eine leicht gruselige Serienmörder Stadtführung mitgemacht!

IMG_1107
Nach seiner eigenen Aussage ist Johnny Depp his brother from another mother;). Johnny Depp spielte im Film „From Hell“ den Polizeiinspektor Frederick Abberline,  der versuchte Jack the Ripper zu fassen

Joe, der in altmodischer – pardon, klassischer – Kleidung eingepackte Stadtführer, lässt dich bei seinem Rundgang in die Zeit eintauchen, in der Jack the Ripper – Name von der damaligen Klatschpresse geprägt – sein Unwesen trieb und die Prostituierten des 18ten Jahrhunderts auf grausame Weise umbrachte und die Polizei und Presse in Atem hielt. Eine gelungene Mischung aus historischen Fakten und Theatralik lässt so einiges an historischen Hintergründen in meinem Gehirn hängen bleiben. Wusstet ihr z.B. dass unter dem Platz bei Whitechapel ca. 25’000 Pestopfer liegen, die bis heute aus Gefahr vor einem erneuten Pestausbruch nicht geborgen werden dürfen?? Sobald es eindunkelt zeigt euch Joe auf Bildern seines kleinen Handtaschenbeamers, wie es an der jeweiligen Ecke damals ausgesehen hat und dazu noch gruselige Bilder der Opfer des Schlitzers von London. Die zwar etwas undeutlichen Fotos der damaligen Zeit wirken trotzdem sehr makaber und lassen erahnen, welche Angst der nie gefasste Serienmörder von damals mit den Fourpence Ladies von damals angestellt hat.

Zwei Tipps vorab: Erstens: Wenn ihr nicht gerade im Sommer da seid, zieht euch warm an, es ist mörderisch kalt und oft auch sehr windig in den dunklen Gassen von London. Solange ihr also nicht zu den crazy Londonern gehört, die selbst bei fünf Grad und Wind im Mini und ohne Strümpfe auf Highheels rumrennen, gilt es, warme Kleidung und Schuhe, die sich für einen 90 Minütigen Spaziergang eignen anzuziehen. Zweitens: Bucht die Tickets online. Das geht auch kurz vor Start der Führung und beim Bezahlen der 10£ pro Person in Schweizer Franken habt ihr einen super Wechselkurs.
IMG_1114

Mein Fazit: Ich kaufe unserem Jack the Ripper Führer seine Leidenschaft für das Thema ab, habe kein einziges Mal gegähnt und mich gut unterhalten gefühlt. Die Führung ist in gut verständlichem Englisch. Wer kein Englisch spricht, der hat somit aber gar nichts davon. Mit 10£ gilt es als eine der günstigsten Attraktionen von London und wenn man möchte, bekommt man von dem Herren mit Zylinder auch noch Tipps, wo man ein gutes Curry bekommt oder ein gutes kühles Blondes.