Was für eine seltene Perle! Ihr Lieben, ich muss euch über eines der coolsten Restaurants berichten, die ich in der letzten Zeit besucht habe. Aber psssst, das ist ein Geheimtipp! Das grottino1313 versteckt sich klammheimlich im Industriegebiet von Luzern. Wenn man nicht sogar direkt daran vorbeifährt, erhascht man einen ersten kleinen Einblick, was sich hinter dem verwachsenen Durchgang versteckt. Mein erster Gedanke war: Oh, süsses Gärtchen und schöner Eingang. Man ist fast verleitet im Vorgarten zu bleiben. Doch dann tritt man durch das grosse, hölzerne Tor mit den Eisenscharnieren und wird gerade zu geflashd von der wunderbaren, wohlig kuschligen und einladenden Atmosphäre des Raumes. Als ob man in einer längst vergangenen Zeit, in die Stube einer Nonna im Tessin eintritt. Holzbalken an der Decke, ein riesiger Kamin, der fast immer brennt und tausend kleine Dinge, die so gut zusammenpassen, dass man das Gefühl hat, jedes Stück hätte im Laufe der Jahre seinen Platz in der Stube gefunden. Über eine kleine Treppe kommt man ins obere Geschoss und weiter zu einem kleinen Saal. In der Ecke steht ein Luzerner Kanapee – nein das ist kein Tippfehler, die heissen wirklich so, hat mir meine Mamma gesagt, also muss es stimmen – und in der Ecke steht ein uralter Schüttstein. Dies ist die Mini-Launge eines ersten kleinen Festsaals für etwas mehr als ein Dutzend Gäste. Eine Treppe am Ende des Saals führt in den Weinkeller und dem heimlichen Juwel des Hauses. Wunderschön arrangiert lagern da die Babys von der Betriebsleiterin Sandra: Eine Wand voller Weine. Einige bekannte Sorten, einige eher ungewöhnliche Weine, die Sandra auch gerne liebevoll als kleine Stinker bezeichnet, weil sie einen erdigen Geschmack haben, den wohl nur die Kenner zu geniessen wissen. Bevor ich euch nun mehr vom Essen und dem Konzept des Hauses erzähle, hier ein Paar Bilder, die Eure Augen hoffentlich genau so zum glänzen bringen, wie die meinen.

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Hier der kleine Festsaal:

Und das Luzerner Kanapee:

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Mein Favorit: Der Weinkeller der Platz für bis zu 40 Personen bietet

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Das ist übrigens Sandra

 

Unglaublich charmant, nicht?

In diesem Kamin kocht das junge Team oft Fleisch. Heute brennt es nicht, weil die Sonne sich doch noch dazu herabgelassen hat, uns einen Sommertag zu bescheren.

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Und jetzt kommt der Gipfel des ganzen, schönen, alten Restaurants: Dieses uralte Gemäuer ist gar nicht uralt :)! Der Besitzer des Grottino hat ein unglaubliches Gespür dafür, wie man aus einem banalen Raum ein gemütliches, altes Heim macht. Aus alten Dachbälken, Möbeln und Geschirr aus Brockenhäusern wird aus altem Krimskram etwas auf seltsame Weise Harmonisches und  altertümlich Modernes, wie ich es bis jetzt nur im Interieur des grottino1313 gesehen habe. Vor 10 Jahren war das Ganze hier nämlich noch eine Autogarage. Jup, ich war auch etwas gar sehr überrascht. Wenn ich jemals ein Haus renoviere, hole ich mir diesen Herren für einen gemütlichen Festraum. Wie ihr wisst, liebe ich Überraschungsmenues. In diesem Haus gibt es das für alle. Es gibt nämlich jeden Tag einfach 1 Menu! Keine Karte. Und Fleisch darf darin nicht fehlen. Seid einiger Zeit haben sich die Köche aber der unzähligen Vegis erbarmt und bieten auch für sie eine kleine Abwandlung des Menus an. Selbst für alle gequälten Gluten- oder Laktoseintolleranten gibt es was.  Geführt wird das grottino1313 von einem jungen Team, das wie eine Gruppe Freunde die Gäste auf unglaublich freundliche und unkomplizierte Weise bedient. Sandra, die Betriebsleiterin und Lady des Hauses, ist auch Herrin über den Weinkeller. Was sie empfiehlt, das passt. Die Köche sind ebenfalls aussergewöhnlich jung. Der Küchenchef ist gerade mal 25! Die Qualität des Essens jedoch auf keinen Fall aus der Hand eines unerfahrenen Koches. Ganz im Gegenteil.

Den Köchen kann man übriges  zuschauen, denn die Küche ist offen und direkt beim Kamin!

Mit viel Herz werden auch die Zutaten für das Essen ausgewählt. Als Teil des „Sinnvoll Gastro“ Konzeptes versucht das grottino1313 alle Zutaten aus der Region und in bester Bioqualität zu bekommen. Ausserdem achten sie darauf, dass möglichst wenig einfach im Mülleimer landet. Die Portionen, die auf den Tischen landen, sind gerade ausreichend. Wer mehr Hunger hat, darf gerne nachbestellen. Schönes Konzept, nicht war? Und das wurde für uns kredenzt:

Gruss aus der Küche: Salami wie man ihn im Tessin bekommt und Nussbrot:

Vorspeise:

Eine Suppe aus geröstetem Blumenkohl mit einer leichten Ingwernote oder ein Salat mit vielen kleinen Köstlichkeiten drin: Karotten, Melone, Selleriestangen, Pinien-/Sonnenblumenkernen, Fenchel, Champignons, verschiedenen Salatsorten und einem spannenden Dressing aus Auberginen. Ich habe keinen Schimmer, wie sie das Dressing gemacht haben, liebe es aber abgöttisch. Endlich eine innovative Alternative zur klassischen Kellnerfrage „italienische oder französische Sauce?“. Man kann im übrigen auch einfach beide Vorspeisen probieren J und braucht sich nicht der Qual der Wahl aussetzen. Um den Eindruck von „zu Hause bei Nonna“ noch zu verstärken, kommt alles in die Mitte des Tisches und jeder nimmt sich aus der Schüssel, was er mag. Wein: Ein fruchtiger Weisser aus der Schweiz, der sogar meinen superkritischen Vater zu einem entzückten, überraschenden „Oh, gut!“ verleitet.

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Erster Gang:

Wie für den Süden üblich gibt es einen Pastagang. Aber nicht einfach was Klassisches. Das wäre für dieses kleine Wunderland hier drin zu banal. Es gibt einen lauwarmen Pastasalat mit frischen Spinatblättern, ultrasüssen Cherrytomaten, gerösteten Mandeln, eingelegten Zwiebeln, Büffelmozzarella an einer cremigleichten Sauce aus Rucculapesto und Riccota. Ich muss dieses Rezept irgendwie bekommen…Liebes grottino1313-Team, kann ich euch mit irgendetwas bestechen??

Wein zum Zweiten Gang und die Hauptspeise:

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Jeden Tag gibt es neben der Auswahl aus dem Schankraum aber auch immer einen aus der Weinauswahl der Schatztruhe von Sandra. Wir hatten einen Sagesse. Dieser schwere spanische Rotwein, der einen leicht erdigen Geschmack und trotzdem eine süsse Unternote hat, passt wirklich gut zum Essen.

Der Hauptgang:

 

Ok, wir können schon fast nicht mehr, aber da können wir nicht nein sagen: Kalbshorücken mit knackigen, grünen Bohnen an Aargauer Kirschen zu Polenta. In die Polenta wurde etwas Mascarpone und Käse von den Jumi Buebe aus Luzern gemischt, damit es herrlich sähmig und aromatisch wird. Dazu gibt es den Jus des Hauses als Sauce. Für meinen Vater gab es einen Extrateller ohne Zwiebeln ;). Jaja, man bekommt auch eine Extrawurst, wenn man keine Lebensmittelintolleranz hat.

Ok, wir sind glücklich und pappsatt. Weshalb wir uns auch gleich noch einen Espresso und ein Dessert gegönnt haben 🙂 was für ein Gedicht: Weisser Schokoladenkuchen, Erdbeeren Sorbet und frische Beeren auf einem Fruchtspiegel.

 

So 🙂 jetzt geh ich mit einem glücklichen Grinsen aus dem Haus und freue mich schon auf meinen nächsten Besuch :

Falls ihr den Weg zum grottino1313 findet, grüsst mir Sandra und ihr Team. Ihr werdet den Besuch nicht bereuen…

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Menuepreis: 64.-CHF Mehr als fair!!!

Rotwein zum Essen: 11.-CHF

Weisswein zur Vorspeise: 9.-CHF